Warum man sich bei der Wahl des MBA-Studiums nicht zu sehr auf Rankings verlassen soll

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Ranglisten sind eine wichtige Orientierungshilfe bei Wahl des passenden MBA-Studiums. Doch welchen Wert haben sie, wenn führende Hochschulen nicht mehr mitmachen?

Ende Januar 2021 rief das britische Wirtschaftsmagazin „Economist“ die IESE Business School aus Barcelona zur weltbesten Kaderschmiede aus, zwei Wochen später ernannte die „Financial Times“ („FT“) die französische INSEAD zur globalen Nummer eins. Beide gehören zweifellos zu den weltweit führenden Hochschulen, welche den renommierten Abschluss Master of Business Administration vergeben. An der Spitze der weltweiten MBA-Rankings standen sie bislang allerdings noch nie. US-Rivalen wie Harvard, Wharton oder Stanford, die noch im Vorjahr die ersten drei Plätze der „FT“-Liste belegten, fehlen hingegen ganz. Was war also geschehen?

Die Rankings internationaler Medien sind eine wichtige Orientierungshilfe für angehende MBA-Studenten: Neun von zehn Kandidaten schauen sich mindestens eines bei der Wahl ihres Studienorts an. Wer einen fünfstelligen Betrag und ein bis zwei Jahre seines Berufslebens in die anspruchsvolle Ausbildung investiert, will schließlich sichergehen, dass sich dies am Ende auch auszahlt. Im Gegensatz zum persönlichen Bauchgefühl oder zu subjektiven Erfahrungsberichten versprechen Ranglisten Objektivität und Messbarkeit.

Der Haken an der Sache: Es gibt viele Rankings, jedes verwendet seine eigene Methodik und legt andere Kriterien an. Ebenfalls entscheidend ist, welche Hochschulen sich überhaupt an dem Leistungsvergleich beteiligen. Zwar werden für die Bewertung in der Regel Absolventen herangezogen, doch ohne aktive Unterstützung durch die Business-Schools sind die Befragungen kaum durchzuführen. Hier liegt auch der Grund für die veränderten Ergebnisse der aktuellen Ranglisten: Zahlreiche internationale Schwergewichte haben 2021 nicht mehr mitgemacht.

Die Kriterien für die Erstellung der Rankings sind umstritten

Beim „Economist“-Ranking sagten gleich 15 der 25 besten MBA-Anbieter der vorherigen Auswertung von November 2019 ihre Teilnahme ab – und ermöglichten ihren verbliebenen Rivalen damit erheblich verbesserte Platzierungen. Auffällig ist vor allem, dass viele amerikanische Universitäten fehlen. Keine der sieben angesehensten US-Business-Schools beteiligte sich an der „Economist“-Befragung, nur zwei von sieben waren es bei der „FT“.

Offiziell begründen die auch als „Magnificent Seven“ bezeichneten Hochschulen ihre Abstinenz mit der Corona-Pandemie, die das Einholen der Daten bei Studenten und Alumni erschwert habe. Doch hinter den Kulissen gärt schon länger ein Streit über die Aussagekraft der Rankings, die relevanten Kriterien sowie die Frage, wen diese begünstigen oder benachteiligen. So richtet die „FT“ ihre Bewertung sehr stark an der Gehaltsentwicklung der Absolventen in den ersten Jahren nach dem Abschluss aus, beim „Economist“ spielen die persönlichen Einschätzungen der Studenten und Absolventen eine große Rolle. Es gilt als offenes Geheimnis, dass sich speziell in diesem Punkt die US-Elitehochschulen nur äußerst widerwillig mit der europäischen Konkurrenz vergleichen lassen. Mit 500 bis 1000 Teilnehmern pro Jahrgang kommt jede einzelne der „glorreichen Sieben“ auf mehr MBA-Studenten als alle in den Rankings vertretenen deutschen Anbieter zusammen. Auch in den anderen europäischen Ländern spielen nur die wenigsten Business-Schools zahlenmäßig mit der US-Elite in einer Liga.

Harvard, Stanford oder MIT Sloan bevorzugen die Leistungsvergleiche von „Forbes“, „Bloomberg Business Week“ oder „US News“. Hier sind sie unter sich, denn die US-Medien trennen in ihren Ranglisten die Hochschulen in den USA von denen im Rest der Welt – und gelten im für die amerikanischen Universitäten wichtigen Heimatmarkt als die relevanten Quellen.

Beobachter in Europa fragen sich daher, ob das Fernbleiben der US-Anbieter von den europäischen Vergleichen tatsächlich nur eine Corona-bedingte Ausnahme war oder doch mehr dahintersteckt. Denn wahr ist auch, dass der Aufstieg einer Business-School im Ranking nicht zwingend mit einer Verbesserung für die Studierenden einhergehen muss. Häufig ist sie eher auf eine gezielte Optimierung seitens der Hochschulen zurückzuführen. So belohnen die aktuellen Ranglisten zum Beispiel nach wie vor Studienaufenthalte im Ausland – ein für amerikanische Anbieter eher nachteiliger Faktor, weil Studenten der US-Hochschulen seltener Auslandsaufenthalte machen. Umfangreiche Investitionen in digitale Lernplattformen oder Hybrid-Lehrräume – in Pandemiezeiten ein großer Vorteil für die Studierenden – fließen dagegen nicht in die Bewertung ein, wie etwa die Berliner ESMT beklagt, die gerade hohe Investments dafür getätigt hat.

Nur drei deutsche unter den weltbesten Business-Schools

Viele deutsche Business-Schools stehen zusätzlich vor der Schwierigkeit, dass sie aufgrund ihrer geringen Immatrikulationszahlen nur schwer auf die für die Aufnahme in die Rankings notwendigen Rücklaufzahlen bei den Fragebögen kommen. Durch Corona verzögerte Abschlüsse und Berufseinstiege könnten die Ergebnisse zusätzlich verzerren, da bei geringen Fallzahlen jede einzelne Befragung umso stärker auf das Gesamtergebnis durchschlägt. Die Leipziger HHL und die Frankfurt School of Finance & Management haben deshalb in diesem Jahr auf den Versand der Fragebögen verzichtet, wollen künftig aber wieder mitmachen.

Ein Grund dafür: Während die berühmten amerikanischen Managementschulen aufgrund ihres weltweit einzigartigen Rufs keinerlei Probleme haben, High Potentials aus dem Ausland anzuziehen, ist für die europäische Konkurrenz eine Spitzenplatzierung in einer anerkannten Rangliste ein wichtiger Wettbewerbsvorteil. Letztlich sei es zwar ein wenig wie bei einer Lotterie, wo man am Ende lande, sagt Nick Barniville, stellvertretender Dekan an der ESMT. „Aber wer unter den Top 100 ist, wird wahrgenommen.“ Auch für Martin Fassnacht, akademischer Direktor des MBA-Programms an der WHU Otto Beisheim School of Management, steht die internationale Sichtbarkeit im Vordergrund. Er hält das „FT“-Ranking für aussagekräftiger, da es die Karriereentwicklung der Absolventen drei Jahre nach dem Abschluss mit einbezieht. Auf die „Economist“-Bewertung zu verzichten ist für ihn trotzdem keine Option. „Das Ranking ist von großer Bedeutung für den Markt und damit auch für uns.“

Die WHU ist eine von drei deutschen Business-Schools, die den Sprung auf beide aktuellen MBA-Ranglisten geschafft hat. Die „Financial Times“ kürte das MBA-Programm der privaten Hochschule aus Vallendar bei Koblenz, an der unter anderem Start-up-Gründer wie Oliver Samwer (Rocket Internet) und Robert Gentz (Zalando) ihren Abschluss machten, zur Nummer eins in Deutschland (Gesamtplatzierung: 54), gefolgt von der Mannheim Business School (Platz 58) und der ESMT (Platz 80). Ein Blick auf das „Economist“-Ranking ergibt in Bezug auf Deutschland das genau umgekehrte Bild: Hier liegen die Mannheimer (Platz 26) vor der ESMT (Platz 46) und der WHU (Platz 63). Und wer liegt nun richtig?

Wahl der Hochschule nicht nur an Ranglisten ausrichten

Nach Einschätzung von Eric Weber, stellvertretender Dekan der IESE, erfasst keine der Ranglisten die beurteilten Hochschulen in allen Facetten. Er rät Interessenten, genau hinzuschauen, die Ergebnisse zu vergleichen, die verschiedenen Business-Schools auf die eigenen relevanten Kriterien abzuklopfen und die Entscheidung nicht ausschließlich von der Platzierung auf einer der Bestenlisten abhängig zu machen.

 

Text-Quelle: handelsblatt.com (Originalbeitrag von Kirstin von Elm)

Bild-Quelle: PIXABAY

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