Die Virtualitaet ist schon laengst ins Klassenzimmer eingezogen

Veröffentlicht am

MBA-Programme – besonders  die sehr beliebten globalen und „Executive“-Versionen – werden vor allem wegen ihrer Internationalität gelobt. Die Virtualitaet macht es dabei möglich, dass in einem Klassenzimmer in Bristol ein Dozent aus Berlin Business-Studierende aus Ländern wie zum Beispiel Burundi und Belo Horizonte lehrt.

Abgesehen von den Inhalten der MBA-Kurse sind es die Soft Skills und die globalen Kontakte, die man in regelmäßigen multikulturellen Treffen pflegen kann und die zu den am meisten geschätzten Aspekten eines Business-School-Abschlusses gehören. Aber in den letzten 15 Jahren haben die sich beschleunigenden Technologien diese persönlichen Treffen immer seltener werden lassen.

Ein globales MBA-Programm kann heute weitgehend im eigenen Wohnzimmer absolviert werden und man verfolgt via Video-Streams die Unterrichtseinheiten, welche ursprünglich an einer Fakultät auf der anderen Seite der Welt abgehalten werden.

Diese unter dem Begriff „blended programs“ bekannten Studien, eine Kombination von Online- und Offline-Unterricht, bewahren die Studentinnen und Studenten zwar davor, unzählige Luft-Meilen zu sammeln. Aufgrund der fortgeschrittenen Technologie ist vieles einfacher geworden, auf diesem Weg ging aber auch etwas verloren. Die Madrider IE Business School, eine der profiliertesten und hoch angesehenen Anbieter von Blended-Programmen, betreibt diese Unterrichtsart bereits seit 15 Jahren. Martin Boehm, der Dekan der Programme an der IE Business School ist jedoch überzeugt davon, dass man einiges besser machen könnte.

Die IE nutzte früher ein Videokonferenzprogramm namens Adobe Connect-ein Standardprogramm, welches auch an vielen anderen Schools eingesetzt wird und es den Studierenden ermöglicht, an Seminaren teilzunehmen, ohne persönlich anwesend zu sein. So nützlich dieses Programm ist – es hat auch seine Grenzen. Die App ist so konzipiert, dass ein Moderator die Diskussion führt, der die volle Kontrolle darüber hat, wer sprechen kann und zu hören ist und auch darüber, welche Präsentationen angezeigt werden. Das funktioniert gut für einen einfachen Vortrag, aber die Interaktion war doch ziemlich begrenzt und durch die Abhängigkeit von der Internet-Verbindung anfällig für Verzögerungen. Obwohl die Studierenden theoretisch im selben Klassenzimmer waren, verhinderte die Technologie eine wirkliche Interaktion.

Aus diesem Grund entwickelte die IE Business School in Zusammenarbeit mit einem spanischen Startup-Unternehmen namens MashMe eine Alternative. Die neue App wurde als Pilot-System eingeführt und bietet eine Interaktivität, welche eine deutliche Verbesserung gegenüber den bisherigen Online-Klassen bringt. Mit der neuen App erhöhte sich auch das Engagement der Studentinnen und Studenten, weil sie merkten, dass keine langsame Internet-Leitung oder veraltete Technologie den Unterricht und die darin stattfindenden Diskussionen negativ beeinflusst.

Die IE Business School plant die App nun nach und nach an weiteren Fakultät einzuführen, und kann  sich vorstellen, dass sie bald zum allgemeinen Standard wird. Martin Boehm kann sich sogar vorstellen, dass diese App zum „Klassenzimmer der Zukunft“ wird, denn sie ist so weit fortgeschritten, dass sie die physische Anwesenheits-Version komplett ersetzen könnte.

Die IE Business School ist aber nicht die einzige School auf der Suche nach besseren Unterrichtsmöglichkeiten. So startete die Harvard Business School (HBS) im Jahr 2015 ihre sogenannte HBX Live-Initiative, mit der ebenfalls Studierende auf der ganzen Welt unterrichtet werden sollen. Bei dieser High-Tech- Variante steht ein Mitglied der Fakultät in der Mitte einer Vielzahl von Bildschirmen und jeder davon liefert Live-Streaming-Aufnahmen von den Studierenden. Diese Umsetzung erinnert jedoch mehr an ein schickes Fernsehstudio als an ein Business-School-Klassenzimmer – obendrein ist dieses übrigens wirklich in einem Studio eines lokalen Nachrichten-Fernsehsenders angesiedelt.

Die HBS nutzt HBX-Live-Plattform im Moment vorwiegend für fallbasierte Diskussionen. Die Studierenden können sehr einfach mittels Text-Chat sowie Sprachnachrichten interagieren und verschiedene Tasten drücken, um ihre Zustimmung oder Ablehnung zu den Hypothesen des Vortragenden mitzuteilen und dadurch ihre Gedanken sichtbar zu machen. Die HBS plant in den kommenden Jahren HBX Live noch intensiver in die Studienprogrammgestaltung zu integrieren. Ab Herbst 2016 wird es erste virtuelle Programm geben, bei denen die Dozenten sechs Wochen lang mit den Studentinnen und Studenten sechs verschiedene Case Studies bearbeiten.

Auch Patrick Mullane, der Geschäftsführer von HBX Live, ist der Ansicht, dass diese Art der Lehre zur Zukunft gehört – wenn sie nicht sogar die Ausbildungsart der Zukunft wird. Nichtsdestotrotz sind Business Schools auch an anderen Wegen interessiert, um ihre Studierenden global und möglichst interaktiv unterrichten zu können. So werden beispielsweise Programme wie Skype genauer unter die Lupe genommen, mit dem umfangreich kommuniziert werden kann und das zugleich einer unbeschränkten Teilnehmerzahl zur Verfügung steht. In jedem Fall ist es den Business Schools wichtig, dass ihre Lehrenden und Studierenden möglichst realitätsnah miteinander interagieren können.

 

Text-Quelle: www.economist.com

Bild-Quelle: www.economist.com

Wir benutzen Cookies um die Nutzerfreundlichkeit der Webseite zu verbessen. Durch Deinen Besuch stimmst Du dem zu.