Über das Ungleichgewicht der Geschlechter in der Wirtschaft wie auch an Business Schools

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Wer sich auf Unternehmens-Websites den Abschnitt „Über uns“ ansieht, wird dort oftmals Fotos von weißen Männern mit grauen Schläfen in teuren Anzügen vorfinden. Dieser Anblick kann für Frauen eine entmutigende Erfahrung sein und ist nur ein Hinweis auf das nach wie vor bestehende Ungleichgewicht der Geschlechter.

Trotz dieser männlichen Überpräsenz schließen Frauen die geschlechtsspezifischen Unterschiede –  wenn auch nur langsam. Gemäß der amerikanischen Akkreditierungsgesellschaft AACSB (Association to Advance Collegiate Schools of Business) sind vier von zehn Absolventen eines MBA -Abschlusses Frauen und zwei Drittel von ihnen berichten über eine hohe Arbeitszufriedenheit in ihrem Tätigkeitsfeld. Die Website Fairygodboss gibt dazu einen guten Einblick, denn auf ihr können Frauen ihre Meinung zum Arbeitsplatz kundtun und rund zwei Drittel von ihnen sind der Ansicht, dass Unternehmensberater sie gleich behandeln.

Dennoch gibt es große Lücken. Sechzig Prozent der von der amerikanischen Non-Profit-Organisation Peterson Institute for International Economics befragten US Unternehmen hatten keine Frauen in ihrem Team, rund die Hälfte von ihnen hatte keine weiblichen Führungskräfte in der c-Suite (Senior Executives) und eines von drei Unternehmen hatte gar keine Frauen in der höheren Führungsebene. Eine Umfrage von Mercer, einer international tätigen Unternehmensberatung, ergab, dass nach wie vor der Anteil der Frauen auf dem Weg von der „Einzelkabine“ zum „Eckbüro“ stetig abnimmt.

Blog 70_PictureMercer ermittelte zudem, dass sich unter den Führungskräften in den befragten Unternehmen ein Drittel Frauen befinden. Wirft man einen Blick auf die nächsthöhere Ebene in Richtung Geschäftsleitung, so sinkt dieser Anteil auf ein Viertel und in der obersten Etage trifft man nur mehr ein Fünftel der im Unternehmen beschäftigten Frauen an. In der Umfrage wurde jedoch auch festgestellt, dass es regionale Unterschiede gibt. So etwa prognostizierten Unternehmensberater für das Jahr 2025, dass in europäischen Unternehmen zu diesem Zeitpunkt 4 von 10 Frauen in der Führungsebene anzutreffen sind, wohingegen man in Asien kaum über 1 von 4 Frauen hinauskommen wird.

Es bleibt ein Mysterium, warm einige Unternehmen sich so standhaft weigern, Frauen in den höchsten Ebenen ihrer Organisationen zu beschäftigen. Die zuvor erwähnte Peterson-Umfrage ergab jedenfalls, dass jene Unternehmen, in denen ein Drittel der Führungspositionen von Frauen besetzt sind,  im Durchschnitt eine um 6% höheren Nettogewinnmarge haben. Solche Tatsachen sind jedoch nicht das A und O für Unternehmen, denn neben der reinen Rentabilität der Beschäftigung weiblicher Führungskräfte, können Unternehmen mit Frauen in Führungsposition auch ein guter Anreiz sein, in deren Team mitzuarbeiten.

Business Schools sind nicht frei von der Kritik an der geringen Frauenquote. Einige befassen sich nämlich noch sehr zögerlich mit der Parität der Geschlechter, aber die Fortschritte sind bemerkbar. In einem Ranking, das 2005 von The Economist erstellt wurde, betrug der Frauenanteil an den zur Ranking-Erstellung befragten Business Schools rund 30% und im Jahr 2015 konnte ein Anstieg auf 34% ermittelt werden. Nur eine School aus den weltweiten Top 100 sticht dabei heraus: Die Lancaster University Management School in Großbritannien –an ihr studieren genauso viele Frauen wie Männer.

Diese Fakten sind beschämend, schließlich überflügeln Frauen in vielen anderen tertiären Bildungskursen ihre männlichen Kollegen bereits. Dennoch bleibt die Hoffnung darauf, dass die Gleichstellung in einer zunehmenden Anzahl an Business Schools in den nächsten 10 Jahren erreicht wird. Ziel ist es, dass die Gleichstellung zur Selbstverständlichkeit wird und dass zukünftig auf Unternehmens-Websites unter dem Abschnitt „Über uns“ mindestens 1 Frau gezeigt wird.

 

 

Text- und Bild-Quelle: www.economist.com

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