„”  am 28. Oktober 2014

„Machbar ist alles; aber ist es auch leistbar“

Erfolgreiche Kostensteuerung von Großprojekten am Beispiel Flugsteig A-Plus. Vortrag im Rahmen der Executive Lecture an der SMBS von Gregor Oleniczak, Fraport AG:

Dass (öffentliche) Großprojekte gerne aus dem Ruder laufen, ist hinlänglich bekannt. Gerade im Flughafenbereich zeigen aktuelle Beispiele aus Österreich und Deutschland eklatante Zeitverzögerungen und Kostenüberschreitungen. Die Erweiterung des Flughafens Frankfurt – Flugsteig A-Plus – zeigt aber, wie mit klassischen Mitteln des Projektmanagements und einer stringenten Steuerung im Änderungs- und Risikomanagement Fehler vermieden werden können.

Die Fraport AG als Betreibergesellschaft des Frankfurter Flughafens startete 2006 mit der Planung und bereits 2008 mit dem Baubeginn für den Flugsteig A-Plus. Dieses Großprojekt mit einem Projektvolumen von über 700 Mio. € konnte bereits 2012 „in time, in cost, in scope“ – also zeitgerecht und im geplanten Budget – den Betrieb aufnehmen. Oleniczak: „Schon in der Planungsphase haben wir eine stabile Projektorganisation etabliert und alle Prozesse zwischen den beteiligten Personen definiert. Zu diesem Zeitpunkt wird der Rahmen für die gesamte Realisierung angesetzt. Eine nachträgliche Änderung ist daher immer mit Kosten und Risiken verbunden und das haben wir von Anfang an klargestellt.“

Neben der technischen Projektleitung wurde die kaufmännische Leitung eingesetzt. Oleniczak: „Uns war klar, dass wir uns beide auf Augenhöhe begegnen müssen – ein Übergewicht auf einer der beiden Seiten führt unweigerlich zu Problemen. Da muss der Techniker oder der Kaufmann schon mal zurückstecken, kann aber auf der anderen Seite mögliche Spielräume wieder nutzen. Das geht aber nur, wenn Beide die Hintergründe erkennen und beurteilen können. Man braucht Übersicht, Struktur und Transparenz – bei den Finanzen und in der Technik.“

Einer der wesentlichen Erfolgsfaktoren war aber neben der klaren Transparenz in allen Projektbelangen auch das etablierte Änderungs- und Risikomanagement. „Sie können sich vorstellen, dass Änderungen an der Tagesordnung sind. Der Nutzer des Terminals zum Beispiel sieht sein Projekt nur mit einer speziellen filigranen Aluminiumdecke realisiert. Das war zu Projektbeginn so nicht vorgesehen. Die erheblichen Mehrkosten müssen dann entweder an anderer Stelle eingespart oder zusätzlich lukriert werden – eine andere Möglichkeit gibt es nicht. Oder die Abfertigungsschalter sollen aus technischen Gründen um 50cm versetzt zum ursprünglichen Plan errichtet werden. Die bereits verlegten Kabeln, der ausgehärtete Beton und alle anderen Baukörper sind aber darauf nicht abgestimmt und diese müssen rückgebaut werden. Machbar ist alles; ist es aber auch leistbar. Da gilt es zwischen allen Beteiligten zu vermitteln, Lösungen anzudenken, den Vorstand einzubeziehen. Und wenn sich jeder ein bisschen bewegt, dann können am Ende große Schritte erreicht werden: in time, in scope und in budget.“

Beim traditionellen Stehbuffet wurden noch lange Gedanken und Argumente ausgetauscht und der eine oder andere Praxistipp konnte in der angenehmen Atmosphäre des Schloss Urstein ausgetauscht werden. Aber die grundlegende Frage, die eigentlich in allen Köpfen kreiste, konnte letztlich nicht beantwortet werden: Warum machen das nicht alle so?

Zur Person:

Gregor Oleniczak ist Kaufmännischer Programmleiter bei der Fraport AG und war von 2005 bis 2011 für die Kostensteuerung des Großprojekts Flugsteig A-Plus verantwortlich. Er hat seine Ausbildung zum Bankkaufmann bei Merck, Finck & Co. Privatbankiers absolviert und im Anschluss sein Studium der Wirtschafts- und Sozialwissenschaften an der Ruprecht-Karls Universität in Heidelberg als Diplom-Volkswirt abgeschlossen. Bei der Fraport AG hat er unterschiedliche Positionen durchlaufen.

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