Copy & Paste? Über das Mogeln wird bei Studierenden meist nur hinter vorgehaltener Hand gesprochen.

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Manche tun es regelmäßig, bei manchen ist es eine einmalige Ausnahme: Das Mogeln. Vor allem beim Schreiben von Essays, Seminar- und sogar bei Abschlussarbeiten wird gemogelt. Wenn es um das selbstständige Verfassen derselben geht, so greifen manche zur Arbeitserleichterung und zum Zeitgewinn doch gerne auf bestehende Texte sowie auf Ghostwriter zurück.

Egal ob ein Bachelor-, ein MBA- oder ein Master-Student und egal in welchem Studienfach oder in welcher Studienrichtung – die Mogler wird man überall antreffen und sie zahlen gutes Geld dafür, dass Sie ein Fremder beim Erstellen von Aufsätzen zu den vielfältigsten Themen unterstützt. Diese Marktnische wuchs seit Beginn des 20. Jahrhunderts merkbar und es entwickelte sich daraus eine wahre Armee an Ghostwritern.

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Natürlich ist es nicht überraschend, dass einige Studentinnen und Studenten zum Erreichen einer bestimmten Qualifikation hin und wieder beschließen, auf dem Weg dorthin (ein wenig) zu mogeln. Manche von ihnen engagieren ausgebildete Schriftsteller und lassen diese in ihrem Namen komplett neue Forschungsarbeiten schreiben. Andere entscheiden sich dafür, bereits vorhandene Arbeiten zu nutzen und Passagen daraus einfach abzuschreiben – natürlich stets in der Hoffnung, dabei nicht erwischt zu werden. In solchen Fällen spielt die jeweilige Ausbildung oder der berufliche Stand keine Rolle.

Obwohl oftmals von einer Zunahme an Mogeleien gesprochen wird, ist dies bei MBA- und Master-Absolventen nicht der Fall – so behauptet es jedenfalls Carrie Marcinkevage, die amtierende Direktorin des Penn State’s Smeal College of Business. Heute werden Mogeleien viel schneller aufgedeckt, weil Business Schools mittlerweile ein besonders Auge auf die abgegebenen Arbeiten werfen. Während der Einsatz von Technologie das Mogeln leichter macht, so ist sie es auch, die dabei hilft, diese rasch aufzudecken.

Im Jahr 2009, als Frau Marcinkevage für die Zulassungen zuständig war, hatte sie die Befürchtung, dass Bewerberinnen und Bewerber für das MBA Programm am Penn State College in ihren Essays mogeln würden. Damals wurden zwei Essays eingereicht, die ähnliche Phrasen enthielten, woraufhin sie misstrauisch wurde. Aus diesem Grund nahm das Zulassungs-Team viele weitere Essays genauer unter die Lupe und stellte dabei fest, dass 29 von den 360 im Jahr 2009 eingereichten Essays inhaltliche Ähnlichkeiten aufwiesen. Diese Erfahrung hat das Zulassungs-Team nicht nur verärgert, sondern lenkte auch von jenen Essays ab, die auf ehrlicher Basis entstanden. Diese Geschehnisse führten dazu, dass alle Essays extrem genau auf Gemeinsamkeiten untersucht wurden, was nicht nur zeitaufwändig war, sondern auch ein sehr negatives Licht auf die Zulassungsbewerberinnen und -bewerber warf.

Um die Mogeleien und Plagiate wirksamer bekämpfen zu können, kontaktierte Frau Marcinkevage das Unternehmen iParadigms, welches das Programm Turnitin entwickelt hat. Diese „Plagiatentdeckungssoftware“ verwendet in der Vergangenheit eingereichte Essays und vergleicht diese mit neu eingereichten Arbeiten. Das Penn State’s Smeal College of Business nutzt diese Software seitdem kontinuierlich und erst nach dieser Prüfung werden die Essays vom Zulassungsteam gelesen, was dazu führte, dass die Essays nicht sofort mit Pessimismus betrachtet werden.

In den weiteren Jahren hat das Smeal College of Business jeweils ungefähr 8 % der pro MBA-Kurs eingereichten Essays als Mogelei entlarvt und in den meisten Fällen waren darunter internationale Studentinnen und Studenten. Diese Vorkommnisse führten dazu, dass sich Ann Rogerson von der Sydney Business School an der Universität von Wollongong intensiver mit den „Mogelpackungen“ beschäftigte. Sie fand heraus, dass manche der Mogeleien aufgrund von Zeitmangel entstehen und dieser dazu führt, dass sich die Bewerberinnen und Bewerber durch Nutzung von Suchmaschinen wie z.B. Google dazu verleiten lassen, den vermeintlich zeitsparenden, aber nichtsdestotrotz gesetzeswidrigen Weg des „Copy & Paste“ zu gehen. Ann Rogerson stellt außerdem fest, dass die Plagiatsverfasser oftmals aus Kulturen kommen, in denen die Ausbildung eher transaktional ist und akademische Methoden mehr als ein Sammeln von Daten als das Verfassen individueller Ansätze betrachtet werden.

Während die Anzahl der Zulassungs-Mogler in den letzten Jahren relativ gleich geblieben ist, hat die Anzahl an Business Schools, die sich gegen Plagiate zur Wehr setzen, eindeutig zugenommen. War es zu Beginn nur das Penn State’s Smeal College of Business, welches die Software Turnitin dazu nutzte um Mogeleien bei den Essays herauszufiltern, so sind es heute bereits über 40 internationale Business Schools, welche die einlangenden Essays bei der Zulassung damit prüfen.

Dieses Vorgehen ist an sich schon gut, es macht jedoch auch wirtschaftlich Sinn, denn es verursacht enormen Aufwand, Essays genauer zu überprüfen – besonders dann, wenn ein MBA- oder Master-Programm bereits begonnen hat. Auf diese Weise macht sich ein „Plagiatsentdeckungsprogramm“ für eine Business School auch rasch bezahlt und es hilft dabei, den guten Ruf zu wahren.

Wer also nicht nur dem jeweiligen Zulassungs-Team, sondern in jeder Hinsicht vor allem sich selbst etwas Gutes tun möchte, der sollte auf „Copy & Paste“ verzichten und einen eigenständig erarbeiteten Essay verfassen. Und überhaupt: Was gibt es schließlich Schöneres, als stolz auf seine individuell erbrachte Leistung zu blicken?

 

 

Text-Quelle: www.economist.com

Bild-Quelle: www.imaginationoverflowsw.wordpress.com

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