24.2.2009
MBA mit göttlichem Segen
Spanische MBA-Schulen belegen in den weltweiten Ranglisten Spitzenplätze, viele haben religiöse Träger. Auftakt einer Serie über Business Schools im Ausland.
Ohne die Unterstützung der spanischen Business School Iese hätte sich Timo Buetefisch vielleicht niemals selbstständig gemacht. Dann würde er heute immer noch als Unternehmensberater in München arbeiten – und nicht als Inhaber eines Scooter-Verleihs das Leben im sonnigen Barcelona genießen.
Der Risikokapitalfonds seiner ehemaligen Business School, der Iese in Barcelona, beteiligte sich mit fünf Prozent am Unternehmen ihres deutschen MBA-Absolventen. Dabei störte Buetefisch nicht, dass die Schule von einer ebenso sagenumwobenen wie berühmten katholischen Laienorganisation getragen wird: dem Opus Dei.
Dieser religiöse Hintergrund ist in Spanien nichts Besonderes. Wer seinen MBA hier an einer der Top-Schulen machen will, kommt an der katholischen Kirche kaum vorbei. Bei deren starker Präsenz im spanischen Ausbildungssektor gehe es „auch um ein Machtspiel“, sagt Jura-Professor Carlos Moreiro von der Universität Carlos III in Madrid.
Die Kirche und ihre verschiedenen Vertreter spielen seit den Fünfzigerjahren eine wichtige Rolle in der spanischen Wirtschaft. Sie kontrollieren Medien, haben Einfluss im Finanzsystem und Lobbyisten in der Politik. Mit ihrem weltweiten Bildungs- und Macht-Netzwerk tragen sie entscheidend zum Erfolg des MBA-Standortes Spanien bei. Gleich drei der weltweiten Top-Schulen sind hier zu Hause: die Iese, Esade und Eada in Barcelona sowie Esic und IE in Madrid.
Zucht, Fleiß, Ordnung und Diszplin
Diese Tugenden zählen beim Opus Dei. Im spanischen Alltag sind sie zwar weniger verbreitet, von der Wirtschaft dafür aber umso mehr geschätzt. Das hat der Opus Dei schon 1957 erkannt und Iese auf diesen Pfeilern gegründet.
Buetefisch arbeitete nach dem BWL-Studium an der European Business School (EBS) in Oestrich-Winkel bei der Unternehmensberatung Booz Allen Hamilton. Für die Iese entschied er sich, weil im dortigen Lehrplan viele praxisrelevante Fallstudien vorkommen. Außerdem wollte er Spanisch lernen. Ein Blick auf die internationalen » Ranglisten bestätigt die Wahl des 34-Jährigen: Die Iese wurde 2005 und 2006 vom „Economist“ zur besten Vollzeit-MBA-Schule der Welt gekürt. Im aktuellen Ranking der „Financial Times“ liegt sie auf dem neunten Platz – vor allen anderen spanischen Ausbildungsstätten.
Die Esade, ebenfalls in Barcelona beheimatet, wurde von den Jesuiten gegründet. Der große Vorteil hierbei: Die Studenten können auf das weltweite Bildungs-Netzwerk der Jesuiten zurückgreifen, wie zum Beispiel die von ihnen in den USA gegründete und geführte renommierte Georgetown-Universität. Mit der Elite-Uni Stanford pflegt die Esade ebenfalls eine enge Allianz.
Federführend in vielen Belangen
Wie der Opus Dei ist die Klostergemeinschaft auch führend bei der Ausbildung in Lateinamerika, wo sie seit 2003 einen Campus in Buenos Aires hat. Das macht die Schule vor allem interessant für Leute, die später in Lateinamerika arbeiten wollen.
Noch heute sitzt die Kirche im Verwaltungsrat der Esade. Das macht sich im Lehrplan bemerkbar: Besonderer Wert wird auf Menschenrechte, Entwicklungshilfe, Ethik und Sozialverhalten gelegt. Statt in Unternehmensberatungen machen Esade-Schüler ihre Praktika oft bei Hilfsorganisationen oder staatlichen Entwicklungsprogrammen. Das kommt offenbar auch bei anderen Nationalitäten an: Beim Vollzeit-MBA liegt der Ausländer-Anteil bereits bei 80 Prozent.
Weniger bekannt sind die Priester des Heiligsten Herzens Jesu, die hinter der Business School Esic stehen. Die Schule legt einen besonderen Schwerpunkt auf Marketing und Handel. Auch die Deutsche Sandra Wechsler erfuhr erst nach ihrem MBA-Studium von dem religiösen Hintergrund. Die 33-Jährige konnte das erlernte Wissen in ihrer Arbeit als Leiterin einer Kommunikationsabteilung in einem spanischen Unternehmen sofort nutzen. |