9.7.2009
Komplexität meistern - Führen, wenn rundum Chaos herrscht
Wir leben in komplexen Zeiten. Global betrachtet, wenn wir an die großen und vielschichtigen Probleme des 21. Jahrhunderts denken. Aber komplexe Situationen wirken hinunter bis auf die Ebene des Individuums. Für Unternehmen, egal welcher Größe, gibt es in chaotischen Zeiten keinen "Leitfaden zum richtigen Handeln". Das wäre schließlich ein Widerspruch in sich, ist es gerade das Zeichen von Chaos, dass eben nichts geordnet abläuft, die richtigen Antworten nicht einfach zu finden sind. Als das deutschsprachige Magazin "Harvard Business Manager" dem Thema Komplexität vor einiger Zeit einen Schwerpunkt widmete, war das mediale Trommelfeuer zur Klimawandel-Diskussion schon zu vernehmen. Im Nachhinein betrachtet verhalf sie aber auch der Diskussion um das Thema dahinter zum Durchbruch: Der Komplexität der Zusammenhänge, vor allem in einer globalisierten Welt. Langsam sickerte endlich auf breiter Ebene durch, dass irgendwie alles mit allem zusammenhängt. Geistige Flexibilität manchmal besser als Kontrolle Das gilt für die großen Handlungsgeinheiten genauso wie für die kleinen. In einem Betrieb heißt erfolgreiches Krisenmanagement dabei nicht immer, Herr oder Frau der Lage zu werden. Es gibt unterschiedliche Stufen, bis tatsächlich von einer chaotischen Situation gesprochen werden kann - das kann z.B. der Fall sein bei Eintreten einer Naturkatastrophe oder dem Versagen von Technologien, möglicherweise aber auch einer "Finanzkatastrophe", sofern ein gewisses Maß an Unvorhersehbarkeit gegeben ist. In solchen Situationen geht es eher darum, das ständige Spannungsfeld zwischen streng hierarchischer Organisation und Übertragung von Verantwortung immer wieder neu zu bewerten und auszutarieren. Informationsflüsse müssen zwischen allen Ebenen offen sein. Es gibt kein Handbuch mehr, das Schwarz auf Weiß anleiten würde, was zu tun sei. HVB: "Business Schools und Unternehmen vermitteln Führungskräften das notwendige Rüstzeug für ein adäquates Verhalten in geordneten Kontexten, also den einfachen und komplizierten". Autor und Autorin stellen fest, dass diese sich in ungeordneten Kontexten meist auf ihre eigenen Fähigkeiten verlassen müssen. In der Verwobenheit der heutigen Geschäftswelt reichen Instinkte und Intellekt aber nicht - denken wir an die Vorhut der großen Finanzkrise. Für undurchsichtiges Terrain braucht es genauso Werkzeuge und Konzepte. Der Führungsstil von morgen wird anders aussehen müssen, weil einfache Ursache-Wirkungs-Verhältnisse oft eher die Regel als die Ausnahme darstellen werden. |