3.8.2010
Eine einzigartige Gelegenheit für Neuerungen
Es kommt nicht jeden Tag vor, dass eine der angesehensten Forschungsuniversitäten eine Business School gründet. Doch genau das hat die Johns Hopkins University in Baltimore getan. Sie will das Angebot um einen internationalen MBA-Abschluss von Weltklasse aufstocken. von Della Bradshaw Zum Gründungsdekan der Business School wurde Yash Gupta ernannt. In seinen Augen wird das Programm das innovativste sein, wenn es im August startet. "Es ist eine phänomenale Gelegenheit, Managerweiterbildung neu zu definieren", sagt er. Gegründet wurde die Business School im Dezember 2006, nach einer Schenkung des Investmentbankers William Carey in Höhe von 50 Mio. Dollar. Eine der größten Herausforderungen für Gupta wird darin bestehen, das Alte vom Neuen trennen - Johns Hopkins verleiht seit 1961 Wirtschaftsabschlüsse und seit 1999 einen MBA. Tatsächlich bietet die Universität eine Reihe Teilzeit-MBA-Programme an, die neben dem Guptas weitergeführt werden. Und dann gibt es noch einen Vollzeit-MBA/Master für Gesundheitswesen sowie 4000 MBA-Absolventen. Das Ziel: Eine neue Marke erfinden Robert Sullivan, Gründungsdekan der Rady School of Management der Universität von Kalifornien San Diego, fühlt mit Gupta mit. "Er muss angesichts des Erbes einen neuen Abschluss und eine neue Marke erfinden", so Sullivan. Der beste Weg, dies zu erreichen, sei, mit der Universität zusammenzuarbeiten, sagt er. "Johns Hopkins ist im Bereich Gesundheitswissenschaft und Medizintechnik ein Forschungsinstitut von Weltklasse. Mit seinem neuen Abschluss hängt er sich da dran. Ich denke, er wird sehr erfolgreich sein." Gupta verfolgt diese Strategie von Anfang an. An der Johns Hopkins wird es für die MBA-Studenten Pflicht sein, mit der Fakultät für Medizin und Gesundheitswesen zusammenzuarbeiten. Beispielsweise müssen Wirtschaftsstudenten mit einem Gegenüber aus dem Bereich Wissenschaft zusammenarbeiten, um einen Geschäftsplan aufzusetzen und ein Produkt auf den Markt zu bringen. Hier sollen Erfindung und Innovation miteinander verbunden werden, so Gupta. "Wenn das funktionieren soll, brauche ich eine synergistische Schule", sagt er. Raus in die Schwellenländer Die Studierenden müssen eine gewisse Zeit in Entwicklungsländern wie Indien, Ruanda, Kenia oder Peru verbringen. Dort sollen sie in Teams für Projekte zur wirtschaftlichen Entwicklung mitarbeiten, beispielsweise ein System einführen, durch das Menschen mit Aids mit Medikamenten beliefert werden können. Konzipiert wurde das MBA-Programm mit der Hilfe von Unternehmen aus den Branchen Gesundheit und Technologie. Diese wurden gebeten, Prognosen zu ihren künftigen Managementanforderungen abzugeben. "Wie wird die Gesundheitswirtschaft in zehn bis 15 Jahren aussehen?", fragt Gupta. "Die Vergangenheit ist kein Barometer dafür, in welche Richtung sich die Branche entwickeln wird. Weil wir es nicht wissen, müssen wir Menschen anders ausbilden." Sein Leitsatz lautet "intellektuelle Flexibilität". Das bedeutet, das Programm muss dazu "beitragen, dass eine Denkweise geschaffen wird, bei der man sich verändernden Gegebenheiten anpasst, die einem hilft, ans Ziel zu gelangen". Die Schule sorgt dafür, dass jeder Student eine Gastfamilie mit unterschiedlichem kulturellen und ethnischen Hintergrund im Raum Baltimore bekommt. Firmen gestalten Programme mit Auch die Zusammensetzung der Klasse ist ungewöhnlich. 50 Prozent der Klasse sind Studierende von außerhalb der USA, und die Altersspanne reicht vom jungen Hochschulabsolventen bis hin zu Managern mit zehn Jahren Berufserfahrung. Zwar sei klar, dass die jüngeren Studierenden von den Erfahrungswerten der älteren profitieren werden, doch auch die älteren Manager werden einiges lernen, sagt Gupta. "Sie müssen die Denkweise von 23- und 24-Jährigen verstehen lernen." Die Entscheidung, Unternehmen in die Anfangsphase der Programme einzubeziehen, hat positive Ergebnisse gezeitigt. Wenn die ersten 80 Studierenden das Programm beginnen, wird jedem eine Sponsorenfirma zugewiesen, wo er 2011 ein Praktikum absolvieren wird. Nach Ansicht Guptas wird es dank dieser Verbindung mit der Wirtschaft möglich sein, eine hohe Beschäftigungsrate unter den Absolventen der Carey Business School zu erzielen. Dieser Aspekt ist nicht unbedeutend: Bei Gebühren in Höhe von insgesamt 92.000 Dollar plus Lebenshaltungskosten werden die Absolventen nach Ende des Programms eine Menge Schulden abbauen müssen. "Unter sozialem Gesichtspunkt ist es nicht akzeptabel, dass Studierende nach ihrem Abschluss so hohe Schulden haben", sagt Gupta. "Betrachtet man es als Transaktion, so muss jemand dafür zahlen. Es geht nicht um Kapitalrendite, es geht um Bildung." Aus der Financial Times, London. http://www.ft.com/ |
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