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16.3.2010 Der Mittelstand entdeckt das Potenzial von Risiko-, Chancen- und Compliancemanagement - Vielsagende Ergebnisse einer aktuellen Marktanalyse


Im Januar 2010 endete eine Umfrage, die Teil einer von Prof. Dr. Josef Scherer betreuten Masterarbeit war. Scherer, Professor für Risiko- und Krisenmanagement, und der Masterabsolvent Frank Unterwiener befragten Geschäftsführer von Unternehmen mit 50 bis 1500 Mitarbeitern. Das Ergebnis zeigte, dass im Unternehmeralltag dann die Aufgeschlossenheit für Risiko- Chancen- und Compliancemanagement zunimmt, wenn eine Wirtschaftskrise herrscht und die Komplexität im Geschäftsablauf zunimmt. Insbesondere in den Bereichen Strategie, Finanzen und Vertrieb sehen die meisten der teilnehmenden Unternehmer zwar aktuelle Risiken, zugleich aber ein hohes Potenzial an Chancen für ihr Unternehmen.

Für Kenner der Materie überrascht es nicht, dass bei der Mehrheit der Antworten dort ein großes Chancenpotenzial gesehen wird, wo die Bereiche mit den höchsten Risiken überwiegen. Analog den Konsequenzen einer Risiken-Chancen-Analyse, eine so genannte SWOT-Analyse, lassen sich durch die richtige Behandlung von Schwachstellen und Risiken fast regelmäßig verbesserte Ergebnisse und nachhaltige Wertsteigerungen erzielen.

Von den befragten Geschäftsführern antworteten von den 528 Befragten ca. 8 % ausführlich. Dabei gaben 385 (73%) an, sie hätten sich schon intensiver mit dem Thema Risiko- und Compliancemanagement befasst. Knapp ein Drittel hat nach eigener Aussage an Schulungen teilgenommen und lediglich 2 % haben Fachliteratur studiert. Bei den Antworten zur Frage, welche Managementsysteme in den Unternehmen der Befragten implementiert seien, lag das Qualitätsmanagement (DIN ISO 9001:2008) mit 300 (57 %) Nennungen ganz vorne, gefolgt von sonstigen Managementsystemen (28 %), Umweltmanagement (DIN ISO 14001:2004) (19%) und Arbeitssicherheitsmanagement (OSHAS 18001:2007) (11 %). 136 (26%) Geschäftsführer gaben sogar an, noch keines dieser Managementsysteme zu benutzen. IT – Sicherheitsmanagement (DIN ISO 27001:2008) (6%) und Beschwerdemanagement (DIN ISO 10002:2004) (3 %) rangierten unter „ferner liefen“. Das noch sehr junge und häufig unbekannte Compliancemanagement wurde ebenfalls kaum genannt. Immerhin 185 (35 %) Geschäftsführer gaben an, sie hätten ein Risiko- und Chancenmanagementsystem implementiert, wovon 29 (insgesamt 5 %) bereits eine Zertifizierung besäßen. Eine Zertifizierung nach dem noch sehr jungen Standard DIN ISO 31000 bzw. ONR 49000 : 2010 für Risikomanagement ist derzeit noch äußerst selten. Immerhin 20 % (108) der Befragten beschrieben das Risikomanagement als gerade im Aufbau und 9 % (49) als geplant.

Die diversen Managementsysteme können exemplarisch in rund. 21 Elemente (z. B. Dokumentation, Business-Continuity Management, etc.) aufgegliedert werden. Sofern ein Unternehmen nun schon Qualitätsmanagement (DIN ISO 9001) und Umweltmanagement (DIN ISO 14001) implementiert hat, sind zugleich auch schon zwei Drittel der Elemente eines Risikomanagementsystems nach DIN ISO 31000 bzw. ONR 49001:2010 vorhanden. Der zusätzliche Aufwand bei bekannter Systematik hält sich somit in Grenzen. Das Vertrauen in die Zahlungsfähigkeit des Kunden ist nach Ansicht von 47 % (250) der Befragten höher, wenn dieser sein Unternehmen nach einem gelebten Risikomanagement führt. Sogar 59 % (313) der antwortenden Geschäftsführer gaben an, sie konnten bei Kreditgebern / Versicherern bessere Ergebnisse erzielen, weil sie ihnen verdeutlichen konnten, die Chancen und Risiken in Unternehmen zu kennen und zu steuern. Lediglich 32 % (168) gaben an, sie hätten damit nicht „punkten“ können. In der Rolle des Inhabers / Gesellschafters wären 79 % (416) der antwortenden Entscheider an Risikomanagement im befragten Unternehmen interessiert, um den Unternehmenswert nachhaltig zu sichern bzw. zu erhöhen.

Auch die aktuelle wirtschaftliche Situation wurde diskutiert. Dabei gaben 58 % (306) an, es sei sehr wahrscheinlich, dass Risikomanagement Vorteile gegenüber Kunden bringe, weil diese dann beispielsweise davon ausgehen könnten, einen sicheren und zuverlässigen Lieferanten zu haben. Sogar 87 % (457) hielten Risikomanagement als vorteilhaft für den Geschäftsführer selbst, um das Unternehmen optimal zu steuern und gleichzeitig die persönliche Haftungsgefahr reduzieren zu können. Fast ebenso viele 83 % (437) sahen im Risikomanagement Vorteile für ihr Unternehmen durch Nutzung brachliegender Chancen sowie eine realistische Einschätzung und Beherrschung von Risiken. Dass durch Risikomanagement Aufsichtsgremien eine Erleichterung bei der Wahrnehmung ihrer Kontrollaufgaben und dadurch auch eine Reduzierung eigener Haftungsrisiken erfahren würden, bewerteten 75 % (395) als sehr wahrscheinlich.

In einem weiteren Teil der Befragung sollten die Unternehmenslenker diverse Bereiche ihres eigenen Unternehmens bezüglich Risiko- und Chancenpotenzial bewerten. Im „Feintuning“ ergab sich bezüglich der Bereiche mit dem größten Risikopotenzial folgendes Ergebnis: Am risikobehaftesten wurde der Bereich Vertrieb (62 %), gefolgt von externen Risiken (z. B. Globalisierung, Rezession, etc. (59 %), vom Thema Strategie (53 %), vom Bereich Finanzen (z. B. Kreditverknappung, Forderungsausfälle, etc.) (51 %) und der Bereich Personal (47 %) gesehen. Nicht ganz so riskant wurden die Abteilungen IT und Controlling (jeweils 45 %), Produktion und Organisation (je 38 %), das eigene Risiko des Unternehmers (37 %), Wissens- / Infomanagement (34 %) und Beschaffung (25 %) eingeschätzt.

Als am meisten brachliegende Chancen, dies sogar in Zeiten der Krise, sahen die Geschäftsführer in ihrem Unternehmen in den Bereichen Strategie (66 %), Vertrieb (54 %), Controlling (50 %) und Organisation sowie Wissens- und Infomanagement (jeweils 46 %). Auch in den externen Entwicklungen (Krise, Globalisierung, etc.) (45 %), der Abteilung Produktion (42 %) und im Bereich Forschung und Entwicklung (Innovation) (38 %) sahen noch viele Unternehmer hohes Potenzial. Knapp ein Drittel der Antwortenden bewerteten die Chancen in den Bereichen Personal und Finanzen (je 33 %) als hoch. Bei den Themen IT (28 %) und Beschaffung (22 %) wurden die Chancen deutlich seltener als hoch bzw. entsprechend häufiger als gering eingestuft.

Die Präsentation der wichtigsten Ergebnisse der Studie werden im Rahmen von eigens initiierten Unternehmertagen im April und Mai in Nürnberg, Deggendorf und München vorgestellt. Kooperationspartner dabei sind die Hochschule Deggendorf mit dem TÜV SÜD und Creditreform.

Im Detail werden dabei die Themen diskutiert, die von den Antwortenden überwiegend als äußerst wichtig eingestuften wurden. Dies sind beispielsweise „strategische Antworten auf aktuelle Herausforderungen“, „Umsatzsteigerung durch Vertriebsoptimierung“ und „Stabilisierung des Bereichs Finanzen“.

Infos und Anmeldung unter: www.creditreform-nuernberg.de


 
 
 
 
 
 

Quelle / AnsprechpartnerIn:
Michaela Völtl

 
 
   
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