11.7.2009
Akkreditierungswesen in der Kritik
Im gesamten deutschen Akkreditierungssystem stecke der Wurm drin, kritisiert vor allem der Deutsche Hochschulverband (DHV) schon lange. Im März rief er seine Mitglieder sogar zum Boykott auf. Der Verband befand das deutsche Akkreditierungswesen für „teuer, bürokratisch, langsam, ineffizient, rechtlich zweifelhaft und autonomiefeindlich“. Letzteres sollte vor allem heißen, dass Universitäten alleine im Stande seien, Studieninhalte und Studienprogramme zu gestalten und müssten dazu nicht kontinuierlich eine Reakkreditierung durchführen. Ohnehin herrsche bereits ein starker Wettbewerb zwischen Hochschulen. Auch die Umgestaltung des deutschen Systems hin zu einer Systemakkreditierung, die Unis nicht mehr dazu verpflichtet, alle Studienprogramme zu akkreditieren, habe an der Situation laut dem DHV nichts geändert. Der unzufriedene Verband wünschte sich deshalb einen Gesetzesvorschlag, der Hochschulen dazu verpflichtet, binnen zwei Jahren ein Qualitätsmanagementsystem zu errichten, das alle Aspekte der akademischen Lehre umfasst. Die Akkreditierungsagenturen sollten danach eine Beraterrolle für Qualitätsmanagementsysteme einnehmen. In Österreich ist die Situation anders. Dort müssen sich nur private Universitäten und Fachhochschulen einer Akkreditierung unterziehen, praktisch als staatliche Anerkennung, staatliche Universitäten hingegen nicht. Dabei gibt es mittlerweile auch länderübergreifende Vereinbarungen. Seit Kurzem darf etwa die österreichische Qualitätssicherungsagentur (AQA) auch an deutschen Hochschulen Qualitätsprüfungen und Systemakkreditierungen durchführen. Mit weiteren Akkreditierungsagenturen strebt sie die Schaffung eines Europäischen Qualitätszertifikats an, wie die österreichische Tageszeitung „Der Standard“ unlängst berichtete. In der Schweiz beruht das Akkreditierungssystem hingegen für alle Hochschulformen auf freiwilliger Basis. Dabei können genauso öffentliche und private Institutionen oder Studiengänge auf universitärer Stufe akkreditiert werden. Die Schweizer Akkreditierungsrichtlinien würden dem DHV vermutlich besser gefallen: „Die Akkreditierungsverfahren sind so zu gestalten, dass die Belastung für die Hochschulen gering bleibt. Universitätseigene Evaluationen und die Akkreditierungsverfahren sind soweit als möglich aufeinander abzustimmen.“ So lautet ein Passus in dieser Richtlinie. Allgemeine Informationen zum Thema Akkreditierung hier auf dem MBA-Infoportal |